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Linktitel und assistive Programme

Weil title bei einem Link nur mit der Maus erreichbar ist und assistive Programme spezielle Techniken benötigen um diese Information anzuzeigen, soll das Verhalten der gängigsten Programme überblickartig untersucht werden.

Lynx

Der Text-Browser Lynx wird nicht nur von Testern benutzt, sondern auch von blinden Anwendern, wenn auch zunehmend seltener.

Lynx zeigt ein title-Attribut nur dann an, wenn es bei einem grafischen Link steht und für die Grafik kein alt-Attribut definiert wurde.

IBM Home Page Reader

Es handelt sich um einen Web Reader mit Sprachunterstützung, was bedeutet, dass das Programm auch ohne Screen Reader zum Surfen eingesetzt werden kann.

Das Programm verhält sich in allen Versionen genau wie Lynx, zeigt also title ebenfalls nur bei grafischen Links ohne alt-Attribut an.

WebFormator

Auch der WebFormator kann als Web Reader bezeichnet werden. Da er aber über keine eigenständige Sprachausgabe und auch keinen Braillezeilen-Treiber verfügt, setzt die Benutzung das Vorhandensein eines Screen Readers voraus. Der WebFormator kann mit allen hier getesteten Screen Readern gemeinsam genutzt werden.

Das Programm zeigt in seiner derzeitigen Version das title-Attribut bei Links immer an; dieses ist also nicht abschaltbar. Sind bei einem grafischen Link sowohldas title- als auch das alt-Attribut vorhanden und die Beschriftung identisch, unterdrückt der WebFormator eine der beiden Definitionen, um Redundanzen zu vermeiden.

Window Eyes

Dabei handelt es sich um einen Screen Reader, der dem Anwender das gesamte Betriebssystem erschließt und somit auch die Nutzung des Browsers.

Das Programm zeigt title standardmäßig genauso wenig an, wie in der optischen Darstellung. Während aber der Mausbenutzer daran gewöhnt ist, mittels try and error herauszufinden, ob sich hinter einem unzureichend beschrifteten Link vielleicht noch eine weitere Information versteckt hält, ist Anwendern von textbasierten Programmen diese Dynamik eher fremd.

Befindet sich der Lesecursor auf einem Link, kann sich der Anwender Mit der Tastenkombination EINFG+E (= Elementinformationen) eine Reihe von zusätzlichen Informationen anzeigen lassen - darunter auch das title-Attribut.

Die Frage ist also nicht so sehr, ob das Programm in der Lage ist, title anzuzeigen, sondern eher, ob dem Anwender bekannt ist, dass Elemente solche Zusatzinformationen haben können.

JAWS

Auch dabei handelt es sich um einen Screen Reader, der das gesamte Betriebssystem - und somit auch den Browser - unterstützt.

In der Grundeinstellung wird das title-Attribut auch in JAWS analog dem normalen Browser-Verhalten nicht angezeigt. Nach Aufruf von EINFG+V zum Personalisieren findet der Anwender eine Reihe von Einstellungsmöglichkeiten vor, darunter auch jene für die Anzeigeart von Links. Standardmäßig ist hier Bildschirmtext eingestellt, was bei ordentlich beschrifteten links ja auch ausreicht. Hier kann der Benutzer neben weiteren Möglichkeiten auch Linktitel oder eine Kombination von beidem wählen.

Verschiedene Techniken - verschiedene Ergebnisse

Bei Nutzung eines Screen oder Web Readers muss sich der Anwender also vor dem Lesen einer Seite entscheiden, ob er title bei Links angezeigt bekommen will oder nicht - sofern das verwendete Programm eine solche Entscheidungsmöglichkeit bietet, während andere Anwender erst nach dem Lesen einer Passage entscheiden, ob sie mehr Information benötign. Darum achtet auch kaum ein Seitenersteller darauf, dass sich der einen Link näher beschreibende Text nahtlos in einen vorhandenen Satz einfügt. Häufig wird title bereits beim Schreiben der Navigation erzeugt und später bei Bedarf automatisch eingefügt.

Reizüberflutung

Während nun ausführliche Beschreibungen der Links in der Navigation sinnvoll sein können und kaum "stören", weil es ja an dieser Stelle keinen Satzbau gibt, unterbricht der grammatikalisch meist unpassende Einschub in einem Fließtext den Lesefluss erheblich und erzeugt oft zudem noch lästige Redundanzen, weil eine "Herauslösung" des Linktitels aus dem Fließtext nicht möglich ist..

title bei anderen Elementen

Lynx und der Home Page Reader bieten keine Möglichkeit, title auch bei anderen Elementen als Links anzuzeigen.

Der WebFormator stellt zu jedem Element mit der Tastenkombination F11 die so genannten Objektinformationen zur Verfügung; darunter auch eine eventuelle nähere Präzisierung mittels title.

Auch Window Eyes bietet hier umfangreiche Informationen, wenn auch etwas "uneinheitlich": Es stellt title sowohl bei <p> und <li> auf Anfrage mittels EINFG+E zur Verfügung, präsentiert diese Information aber bei <hx> und <ul> "ungefragt" vor dem jeweiligen Element im Fließtext.

JAWS bietet neben diversen Varianten der Anzeige von Links auch die Möglichkeit Element-Attribute anzuzeigen oder zu verbergen. Diese Zusatzinformationen werden nicht im Fließtext angezeigt, sind jedoch mittels Tastenbefehl EINFG+UMSCHALT+F1 abrufbar.

Fazit

Dieser Beitrag kann aufgrund der gezeigten Vielfalt bei der Interpretation keine Empfehlung bieten, ob und wie title gehandhabt werden soll. Er dient lediglich dazu, möglichst umfassend über die unterschiedlichen Interpretationen und die sich aus den verfügbaren Möglichkeiten ergebenden Folgen zu informieren.

Besonders Wissbegierige möchten wir noch auf die Links zu Demo-Versionen hinweisen.

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Geändert am: 29.05.2006 22:20