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Tastenkürzel (Accesskeys) und assistive Programme

Gerade die Anwender von textbasierten Systemen, zu denen Screen Reader-Nutzer gehören, könnten von der raschen Navigationsmöglichkeit durch Accesskeys profitieren. Aber nur wenige machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Zugriff auf Accesskeys durch assistive Programme

Die Interpretation durch die diversen Programme ist sehr unterschiedlich und reicht von keiner Erkennung bis hin zu Auflistungen der Tastenkombinationen.

Lynx, Home Page Reader 3.0 und 3.02

Bei diesen Programmen gibt es keine Unterstützung von Accesskeys.

Home Page Reader 3.04

Die neueste Version des Programms zeigt einerseits Tastenkürzel im Fließtext an und bietet andererseits mit der Tastenkombination ALT+K eine übersichtliche Auflistung aller vorhandenen Accesskeys.

Kennt der Anwender das Tastenkürzel, kann er mit der Kombination ALT+UMSCHALT+Taste direkt ans Ziel springen, wobei der Link gleich aktiviert wird.

WebFormator

Mit STRG+G kann sich der Anwender eine Liste aller in einem Dokument verfügbaren Tastenkürzel anzeigen lassen und mit den Cursortasten durchgehen. Durch Betätigen von EINGABE wird der Focus auf den dazugehörigen Link positioniert; dieser kann durch erneutes Drücken von EINGABE aktiviert werden.

Ist dem Anwender die Kurztaste bekannt, genügt die Eingabe derselben zusammen mit ALT, wobei lediglich der Focus korrekt positioniert wird und die Aktion durch Drücken von EINGABE ausgelöst werden muss.

Im fortlaufenden Text werden die Tastenkürzel nicht angezeigt; die Auflistung ist aber jederzeit abrufbar.

Window Eyes 4.5 und 5.0

Der Screen Reader zeigt in den Grundeinstellungen Accesskeys im Fließtext nicht an, bietet jedoch eine entsprechende Einstellungsmöglichkeit. Der Ausführlichkeitsdialog wird mit der Kombination EINFG+V aufgerufen; im Punkt "MSAA" kann die Anzeige unter "Zugriffstasten" aktiviert werden.

Eine übersichtliche Auflistung aller vorhandenen Accesskeys gibt es nicht; jedoch kann der Benutzer festlegen, welche Elemente bei Aufbau einer neuen Seite angesagt werden sollen.

Mit STRG+UMSCHALT+S wird eine Zusammenfassung der auf der Seite verfügbaren Elemente angesagt, darunter auch die Tastenkürzel. In dieser Auflistung werden all jene Elemente berücksichtigt, die auch im Fließtext angesagt werden. Dies ist nicht zwingend mit jenen Informationen identisch, die bei Seitenaufbau ausgegeben werden.

Jaws 4.51, 5.x und 6.x

Der Anwender kann im Einstellungs-Dialog, der mit EINFG+V aufgerufen wird, beim Eintrag "Zugriffstasten" festlegen, ob beim Vorlesen der Seite eventuell vorhandene Accesskeys mit angesagt werden sollen oder nicht. Eine extra Auflistung, wie etwa diejenige der Links, Überschriften oder Formularfelder, gibt es nicht. Allerdings werden bei Aufruf der Seiten-Zusammenfassung mit EINFG+F1 die Tastenkürzel (oder Zugriffstasten, wie sie in Jaws heißen), mit ausgegeben.

Zusammenfassung

Die rein technische Abrufbarkeit der Tastenkürzel ist mit den meisten verfügbaren assistiven Programmen der neueren Generationen möglich. Es bleibt also die Frage offen, welche Gründe ausschlaggebend dafür sind, dass diese Navigationshilfe auch von blinden Anwendern, also Tastatur-Nutzern, oft mit Skepsis betrachtet und nur zögernd angenommen wird.

Neben dem bereits erwähnten Problem der Doppelbelegungen von Tastenkombinationen und dem damit verbundenen Verlust der gewohnten Funktion für das eigene Programm ist wohl vor allem der fehlende Überblick unmittelbar nach Seitenaufbau dafür verantwortlich. Immerhin muss das Vorhandensein der Tastenkürzel bewusst abgefragt oder voreingestellt werden. Viele Anwender lassen sich die Anzahl der Links und Überschriften, der Formulare und Tabellen ansagen. Fügt man nun noch die Accesskeys dieser Auflistung hinzu, dauert es eine ganze Weile, bis man mit dem Lesen der eigentlichen Seite beginnen kann.

Und wenn man erst während des Vorlesens auf die hilfreichen Tastenkombinationen trifft, ist es für diese Sitzung schon zu spät, denn dann hat man den Link ja bereits gefunden.

Wer jedoch "Stammkunde" ist und sich mit der Nutzung der Accesskeys vertraut gemacht hat, hat damit eine zusätzliche und ziemlich komfortable Navigationsmöglichkeit - soferne diese Kombinationen eben nicht mit den gewohnten Befehlen kollidieren.

Einige der assistiven Programme bieten zudem die Möglichkeit so genannte Positionsmerker oder Lesezeichen nach eigenen Prioritäten zu definieren - wohl die wirksamste Möglichkeit Doppelbelegungen a priori zu vermeiden.

Dennoch: Bei sorgfältiger Wahl noch freier Kombinationen und sparsamem Einsatz von Accesskeys wird der Besucher dieses Angebot gerne nutzen und froh sein, sich nicht selbst den Kopf zerbrechen zu müssen, während ihn unglücklich gewählte Kombinationen und die Reizüberflutung durch eine unüberschaubare Anzahl sicher abschrecken dürfte.

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Geändert am: 29.05.2006 22:20