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Reisebericht

Einige LeserInnen, aber auch Freunde, meine "helping Hands", haben mich auf dieser virtuellen Reise begleitet, an deren Ende ich einige Eindrücke und Erkenntnisse zusammenfassen möchte.

Auswahl der Etappenziele

So bunt und willkürlich meine Wahl der einzelnen Stationen auch scheinen mag, sie ist nicht ganz ohne System. Den besuchten Seiten sind ein paar wesentliche Merkmale gemeinsam:

  • Der Besuch jeder Seite hatte einen konkreten Anlass, der sich aus dem Alltag ergab.
  • Die Anlässe waren keine Spezialthemen, sondern solche, mit denen jeder im Alltag konfrontiert werden kann.
  • Die besuchten Seiten waren nahezu ausschließlich größere Projekte.
  • Bei der Auswahl bin ich nicht von der Benutzbarkeit, sondern nur vom Thema der Aufgabenstellung ausgegangen.
  • Es waren - mit Ausnahme von Google - ausschließlich österreichische Seiten.

Wie bei jeder Reise, sind es auch bei diesem virtuellen Rundgang einerseits Einzelerlebnisse, die ihre Spuren hinterlassen, aus denen sich andererseits ein Gesamteindruck ableitet. Im Folgenden möchte ich auf wenige markante Auffälligkeiten näher eingehen und versuchen, aus diesen eine Art Resümee über die "Reisebedingungen" zu ziehen.

Ob die von mir getroffene Seitenauswahl in ihren Merkmalen repräsentativ für die Webseiten unseres Landes sind, kann ich nicht beurteilen; Verallgemeinerungen liegen mir also fern.

Zu große "Portionen"

Bitte nicht alles auf einmal!

Alle meine Programme sind in der Lage, Dokumentstrukturen zu erkennen und ich kann mich komfortabel zwischen den Strukturelementen (wie Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen mit Spalten und Reihen, Formularen und deren Felder) "schrittweise" bewegen. Einen Text nach den Hauptthemen oder Schlagzeilen abzusuchen oder jeden Absatz kurz anzulesen, um ihn nach relevanten Inhalten zu durchsuchen, ist eine zeitsparende und somit effiziente Methode beim Auffinden von Informationen. Damit kann ich den fehlenden optischen Überblick zwar nicht wirklich kompensieren, aber dennoch ein Dokument einigermaßen rasch "überfliegen".

Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn sich das Fehlen dieser strukturierenden Elemente unangenehm bemerkbar macht. Rascher Überblick und Zeitaufwand spielen bei Recherchen eben eine dominante Rolle.

Informationen auf einer Webseite lesen zu können, bedeutet aber noch lange nicht, ans Ziel zu kommen. Zwar ist ein eventueller Misserfolg oder Abbruch meist auf die Ungeduld des Anwenders zurückzuführen, dieser Ungeduld oder Zeitnot sollte aber gerade in unserer Informationsgesellschaft Rechnung getragen werden, in der alles auf Effizienz ausgerichtet ist.

Lesbarkeit alleine reicht also nicht aus. Der Navigierbarkeit kommt ebenso viel Bedeutung zu. Diese ist für meine Programme aber nur dann gegeben, wenn die dafür erforderlichen Dokumentstrukturen in Form von ausreichendem Markup vorhanden sind.

Fazit:
Die Gänge eines Menüs serviert man getrennt und in der richtigen Reihenfolge.
Die Bereiche eines Dokuments gliedert man durch Markup.
Denn: Fehlendes Markup ist eine Barriere.

"Reiseleitung" und Information

Nicht jede größere Ansammlung von Links ist eine Navigation.

Navigationen lassen sich optisch nahezu immer leicht erkennen, denn in irgend einer Form (Rahmen, Farben, Icons, Schriftattribute ...) werden sie dem Betrachter kenntlich gemacht. Keines dieser optischen Kennzeichen lässt sich aber eindeutig programmtechnisch aus dem Markup ablesen, denn es handelt sich ja um Formatierungen. Je größer also ein Projekt, je komplexer oder verzweigter die Navigationsstrukturen, desto schwieriger wird es ohne optischen Eindruck, die Zusammenhänge und Hierarchien zu erkennen.

Teilweise kann man brauchbare Hilfestellungen wiederum durch Strukturierung bieten: So helfen ein sprechender Seitentitel oder eine präzise Standortangabe, aber auch eine Breadcrumb-Navigation bei der Orientierung. Hierarchisch gegliederte Überschriften wie "Hauptnavigation", "Detailnavigation" und/oder "Servicenavigation" (man kann sie ja ausblenden) sind sicher ein geringer Mehraufwand, ihr Nutzen ist jedoch enorm.

Darüber hinaus helfen Sprungmarken zu den wesentlichen Bereichen wie die verschiedenen Navigationen, den eigentlichen Seitentext oder, die Volltextsuche nicht nur bei der raschen und zielsicheren Navigation auf einer Seite, sie haben auch einen wesentlichen Informationscharakter; geben sie doch Auskunft über die wesentlichsten Themen einer Seite.

Fazit:
Mit einer Skizze findet man leichter durch das Gassengewirr zurück zum Bus.
Seitentitel, Standortangabe, Sprungmarken und Beschriftung der Navigation informieren, wo es lang geht.
Denn: Orientierungslosigkeit ist eine Barriere.

Tür- und Straßenschilder

Wer klickt schon gerne auf unbekannte Symbole?!

Oft war ich in den simpelsten Situationen durch fehlende Beschriftungen verunsichert. Nicht zu wissen, was auf einem Bild dargestellt ist, lässt sich verschmerzen - aber nicht, wenn damit eine Aktion, respektive Reaktion des Systems verknüpft ist.

Häufig werden Links grafisch gestaltet - und nahezu jeder Betrachter weiß, was gemeint ist, für viele ist dies sogar die rascheste Methode zu navigieren.

Für meine Programme sind Grafiken kein Problem - wenn sie die ihrer Bedeutung entsprechende Beschriftung mittels Alt-Attribut aufweisen. Fehlt diese, so wird in den meisten Programmen der Dateiname der Grafik angezeigt - eine wenig aussagekräftige Information, wenn es sich um einen Link handelt, auf den man klicken soll.

Fazit:
Unbeschriftete Räume in einem unbekannten Haus betritt man nur zögernd - oder gar nicht.
Fehlt die Linkbeschriftung, hat man dieselben Hemmungen.
Denn: Verunsicherung ist eine Barriere.

Bitte ausfüllen

Was optisch zusammengehört, sollte auch einen logischen Zusammenhang haben.

Vom Kontaktformular bis zum Fragebogen, von der Kommentarfunktion bis zur Steuererklärung - ohne Formulare geht es nicht.

Wird nach meinem Namen, meiner E-Mail-Adresse und der Auswahl ja oder nein gefragt und folgt darauf ein einziger Schalter, ergeben sich kaum Fragen.

Aber so simpel sind Formulare nur selten. Darum gibt man sich mit der optischen Gestaltung von Formularen auch meist redliche Mühe, um die Beschriftungen so eindeutig wie möglich zu positionieren - und vergisst dabei nur allzu häufig, dass Optik nicht alles ist.

Wenn bei einem komplexeren Formular die Labels fehlen, es also nur einen optischen, nicht aber einen logischen Bezug zwischen Beschriftung und Feld gibt, verdreifacht dies die erforderlichen Handgriffe beim Ausfüllen.

Während bei Formularen, die mit Labels versehen sind, diese beim Anspringen des Feldes mit der Tabulator-Taste automatisch von allen assistiven Programmen vorgelesen werden, muss ich andernfalls die Beschriftung "suchen". Sie befindet sich meist in unmittelbarer Nähe, aber irgendeine zusätzliche Aktion (Pfeil nach oben, Formularmodus verlassen etc.) ist immer nötig, gefolgt von einem weiteren Tastendruck, um wieder in das Feld selbst zu gelangen. Die beiden letztgenannten Tastendrücke erübrigen sich aber, wenn es eine logische Feldbeschriftung gibt.

Oft kommt noch eine Gruppierung von Formularelementen hinzu, die eine gemeinsame Beschriftung haben, was sich ohne logischen Zusammenhang in der Formulargestaltung nur schwer erkennen lässt.

Zudem geht es bei vielen Formularen ums Geld oder um eine andere wichtige Informationsweitergabe, bei der Fehleingaben unangenehme Folgen haben können, so dass man gerne seiner Sache sicher wäre.

Manche Formulare lassen sich auch dann absenden, wenn der Fokus nicht auf dem entsprechenden Schalter steht, und einige assistive Programme benutzen die Enter-Taste, um den Formularmodus ein- oder auszuschalten. Da sendet man auch schon mal ein unvollständiges Formular ab. Lässt dieses dann auch noch eindeutige Fehler- bzw. Rückmeldungen vermissen, gesellt sich zu der Ungeduld und Verunsicherung langsam auch die Nervosität, gefolgt von Konzentrationsschwierigkeiten.

Fazit:
Je eindeutiger das Bestellformular, desto höher der Umsatz.
Ein Externer Link gut gestaltetes Formular führt zum erfolgreichen Absenden.
Denn: Erhöhter Arbeitsaufwand und umständliches Suchen sind Barrieren.

Und was kostet die Reise?

Den Preis zahlt man nur, wenn man weiß wofür.

Auf meiner virtuellen Reise bin ich immer wieder auf Tabellen gestoßen, aber nur die wenigsten haben der Darstellung tabellarischen Inhalts gedient. Diese Vermischung von Datentabellen mit Layout-Tabellen hat mir in vielen Situationen die Orientierung erschwert, musste ich doch immer wieder herausfinden, welchem Zweck die Tabellen dienten.

Werden Tabellen auch noch ineinander verschachtelt, sind auch die modernsten Programme kaum noch in der Lage, die Inhalte linear, also in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben. Sie kennen doch sicher auch die Situation, dass Sie in einer bunt bebilderten Zeitschrift einen Textblock zu Ende gelesen haben und nun zu suchen beginnen, wo sich die Fortsetzung befindet. Oft genug ist diese nur aus dem logischen Zusammenhang im Text zu erkennen.

Mir ergeht es mit meinen Programmen ähnlich - erst recht, wenn sich mitten unter den vielen Layout-Tabellen auch noch eine "echte" Daten-Tabelle "versteckt".

Erschwerend kommt noch hinzu, dass auch jene Tabellen, die sinngemäß verwendet werden, erhebliche Mängel in der Gestaltung aufweisen. So reicht es für meine Programme nicht aus, Überschrift und Inhalt einer Datenzelle untereinander zu schreiben, es bedarf auch eines logischen Bezugs zwischen Überschrift und Zelleninhalt. "Schau mal schnell nach oben!" funktioniert mit sprachausgabe und Braillezeile nicht ganz so einfach wie mit dem Auge.

Sind Tabellen-Überschriften jedoch mit den dafür vorgesehenen Anweisungen versehen, informieren mich meine Programme auch über deren Vorhandensein Dann ist es auch kein Problem, eine Zahl in Zeile 18, Spalte 7 in den richtigen Zusammenhang zu bringen.

Fazit:
Wenn ich nicht weiß, wieviel das Souvenir kostet, verzichte ich lieber.
Die Gestaltung von Datentabellen verdient besondere Sorgfalt.
Denn: fehlende Information ist eine Barriere.

Weitere Reisehindernisse

Auch Menschen mit anderer oder ohne Behinderung können auf Barrieren treffen.

Ich habe in groben Zügen über jene Probleme berichtet, die mir bei der Nutzung eines Screen Readers besonders aufgefallen sind. Diese Sichtweise ist naturgemäß sehr einseitig und darum möchte ich abschließend ansatzweise nur stellvertretend auf zwei weitere Stolpersteine aufmerksam machen, die mir aufgefallen sind, als ich bei der Analyse Freunde um Hilfe gebeten habe:

Schriften
Häufig ließ sich die Schrift im Massen-Browser nicht vergrößern. Damit haben nicht nur Menschen mit Sehbeeinträchtigung Probleme, sondern unter anderem auch jene Anwender, die mit kleinen Bildschirmen arbeiten.
Scroll-Balken
Für meine Programme unerheblich, für einen großen Teil anderer Besucher aber lästig oder gar unbedienbar sind die immer wieder auftretenden horizontalen Scroll-Balken, wenn Seiten für eine bestimmte Auflösung optimiert sind. Auf diese Weise entgeht einem vielleicht eine wichtige Information.

Das sind natürlich nur zwei Beispiele, auf die ich eher zufällig gestoßen bin.

Und was sind nun Barrieren?

Das Zusammenwirken von Usability und Accessibility.

Ohne jetzt die Begriffe Usability und Accessibility vermischen oder gar zusammenführen zu wollen, gibt es für auftretende Probleme meist mehrere Ursachen:

  1. Zu wenig Berücksichtigung allgemeiner Zugänglichkeits-Richtlinien.
  2. Mangelnde Einhaltung der Standards wie fehlende Struktur durch fehlendes Markup oder mangelhafte Gestaltung von Formularenund Tabellen.
  3. Nichtbeachtung der Richtlinien für Accessibility.

Treffen alle drei Mängel zusammen, wird eine Seite gerade für Besucher mit irgendwelchen Einschränkungen rasch schwer bis gar nicht bedienbar.

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Geändert am: 01.06.2006 13:41