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Die kleinen Stolpersteine

Stand: Mai 2005

In den Aufgaben 5 bis 8 ging es vorwiegend um die Interaktion, also um Formulare und Rückmeldungen an den Benutzer. Heute beschäftigen wir uns mehr mit der Präsentation von Daten und deren Interpretierbarkeit durch assistive Programme.

Aufgabe

Wir wurden ins Waldviertel eingeladen und nun gilt es, eine geeignete Verkehrsverbindung herauszusuchen.

Ablauf

  • Verwendetes Programm: Home Page Reader 3.02 (weil sich die Seite mit der neuen Version 3.04 nicht öffnen lässt.
  • Schwierigkeitsgrad: 3 von 5.

Die Seite des ÖBB-Fahrplanes (Anmerkung: die Adresse ist leider nicht mehr existent!!"!) hat drei Frames, der dritte ist korrekt mit "Fahrplanauskunft" beschriftet. Darin gibt es eine Reihe von Links, keine Überschriften und auch keine Sprungmarke. Aber alle assistiven Programme erlauben das Auffinden von Formularen - und diese Methode nutze ich, um die Eingabemaske zu finden.

Vorerst treffe ich auf eine Schaltfläche. Was sich hinter der damit verknüpften Grafik img/ad.gif verbirgt, habe ich nicht ergründet. Wenn es nicht sein muss, aktiviere ich nur ungern Links, deren Ziel ich nur mit zusätzlichem Aufwand herausfinden kann.

Sodann folgt ein Eingabefeld Bhf/Haltest. - der Startbahnhof, wo ich "Wien" eingebe. Da ich nicht weiß, von welchem Bahnhof mein Zug abfahren wird, möchte ich diesen auch nicht präzise eingeben, um nicht zu viele Umsteigerelationen angeboten zu bekommen.

Es folgt ein weiteres Eingabefeld mit derselben Beschriftung - der Zielbahnhof. Hier trage ich "Zwettl" ein.

Ich möchte an einem Werktag reisen, nämlich am 09. Mai, aber der ist heute nicht, also trage ich das Datum "09.05.2005" ein. Eine weitere Möglichkeit wäre die Nutzung des Kalenders; den werde ich mir aber ein anderes Mal ansehen.

Da "Abfahrt" vorgewählt ist, kümmere ich mich um dieses Feld nicht, auch die Auswahl "Alle Verkehrsmittel" scheint mir sinnvoll - nur nicht zu viele Einschränkungen!

Die bisher getroffene Auswahl scheint mir ausreichend, daher ignoriere ich auch die Felder ab "Fahrradmitnahme" und mache mich auf die Suche nach dem Absende-Button. Wie erwartet, ist dies der letzte Schalter und mit "Verbindung suchen" verständlich beschriftet.

Screenshot: ÖBB-Fahrplan, ausgefülltes Formular

Nach dem Seitenaufbau folgt die Neuorientierung. Mangels Überschriften und Sprungmarken sowie Unkenntnis der Seitenstruktur lese ich also in Rahmen 3 von Beginn an (um eventuelle Rückmeldungen des Systems nicht zu übersehen) und stoße bald auf mein ausgefülltes Formular.

Der Zielbahnhof wurde durch eine Auswahlliste mit 50 Elementen ersetzt. Der gewählte Eintrag "Zwettl NÖ" entspricht meinen Vorstellungen, also tabbe ich wieder bis zum Schalter Verbindung suchen und schicke die Anfrage erneut ab.

Screenshot: ÖBB-Fahrplan - Ergebnis der Suche

Rahmen 3 beginnt wieder mit dem Link Fahrplanauskunft, gefolgt von Ankunft/Abfahrt, Züge/Linien ... Ich navigiere also weiter, finde wieder das Formular mit meiner Anfrage, gefolgt von dem Link Anfrage ändern, welcher mir, ebenso wie die nächsten Links bis inklusive PDA-Fahrplan doppelt vorgelesen wird. Warum wohl? - (Anmerkung 1).

Schließlich lande ich bei Details und hier scheine ich richtig zu sein. Aus der Reihenfolge der Informationen (Bahnof/Haltestelle, Datum, Zeit ...) schließe ich, dass es sich um eine Daten-Tabelle handelt und daher schalte ich in den Tabellen-Navigationsmodus um. Und richtig: "Tabelle mit 10 Zeilen und 20 Spalten; Position Zeile 1, Spalte 8" lautet die Meldung. (Ich habe mich ja bereits in der Tabelle bewegt, bin also nicht mehr am Beginn derselben, weshalb ich zum linken Rand zurückkehre.)

Einige Zeilen sind offenbar leer und ich navigiere vorerst in der linken Spalte nach unten und finde in Zeile 3 die Information Nicht markiert, weshalb ich weiter wandere. Zwei Zeilen darunter steht markiert und nun bewege ich mich horizontal weiter und höre in der 2. Spalte Leer, in der 3. Spalte Wien Franz Josefs Bahnhof, Wien Franz Josefs Bahnhof, Zwettl NÖ Allensteiger Straße, Zwettl NÖ Allensteiger Straße, was mich innehalten lässt. Warum Start- und Zielbahnhof in einem Atemzug? Warum beides gleich zweimal? Hatten wir diese Situation nicht schon?

Ich wandere weiter nach rechts und finde 5 leere Zellen, gefolgt vom Tagesdatum. Diesem folgt wieder eine leere Zelle und dann die Meldung Ab an, bei nochmaligem Navigieren nach rechts 08:00 10:30. Und nun verstehe ich endlich, worauf diese Vorleseart zurückzuführen ist. Mehr dazu in der Analyse.

Hinter 02:30 vermute ich die Fahrtdauer, hinter 1, dass ich einmal umsteigen muss und weiter rechts finde ich noch E 1572, Fußweg, Bus 1420, was meine Vermutung bestätigt. Wo ich umsteigen muss, sehe ich im Moment nicht.

Ich fahre lieber Bahn als Bus, denn bei einem Schienenfahrzeug weiß man immer, wo es hält, beim Bus oft nicht. Daher navigiere ich nochmals zurück an den Zeilenanfang und wandere nach unten, sehe mir die nächste Verbindung an und diese scheint mir geeigneter, informiert sie mich doch am rechten Rand der Tabelle, dass es sich um zwei Züge handelt (E 2102, R 6358). Auch die Abfahrtszeit um 09:03 ist OK.

Ich notiere mir die wichtigsten Infos, gehe wieder an den Zeilenbeginn, markiere diese Verbindung und wandere nochmals nach oben, um die Markierung der vorherigen Verbindung aufzuheben.

Nun navigiere ich ans Ende der Tabelle und schalte wieder in den Element-Lesemodus um, denn ich möchte eine Möglichkeit suchen, mir anzeigen zu lassen, wo ich umsteigen muss und wieviel Zeit ich dafür habe. Der Schalter Details zu den ausgewählten Verbindungen anzeigen klingt vielversprechend und ich betätige ihn.

Screenshot: ÖBB-Fahrplan Detailergebnis

Detailansicht lässt mich aufhorchen und ich schalte in den Tabellen-Modus um, aber diese Tabelle beinhaltet nur die eben erwähnte Information. Also weiter. Die nächste Tabelle hat 16 Zeilen und 13 Spalten und enthält, was ich suche:

Die 1. Zeile ist leer, die 2. mit der Information Detailansicht versehen, die 13 Spalten sind miteinander verbunden.

In Zeile 3 finde ich in Spalte 1 Bahnhof/Haltestelle. Ich überprüfe die vorhandenen Spalten und finde so nützliche Informationen wie Gleisangabe, Abfahrt und Ankunft. Darunter die dazugehörigen Einträge. Eine weitere Zeile darunter steht in der 1. Spalte der Zielbahnhof Schwarzenau im Waldviertel. Weiter rechts findet sich eine Zeitangabe - vermutlich die Ankunftszeit. Aber nun beginnt es schwierig zu werden, denn logischerweise stehen Ankunfts- und Abfahrtszeit nicht in derselben Spalte. Die Spalten haben bedauerlicherweise keine Überschrift. Mehr dazu ebenfalls in der Analyse.

Darüber hinaus sind zahlreiche Spalten und Reihen miteinander verbunden, was mein Programm zwar korrekt erkennt und mir auch mitteilt, wie viele vertikale und horizontale Zellen miteinander verbunden sind, aber das Bild im Kopf beginnt langsam zu verschwimmen und mein Vorstellungsvermögen stößt an seine Grenzen.

Dennoch kann ich die relevanten Informationen herausfinden und notieren. Zeit zum Umsteigen habe ich reichlich - somit sind die üblichen Verspätungen mit einkalkulierbar.

Analyse

In der Analyse möchte ich mich vorwiegend auf das Erkennen von Zusammenhängen innerhalb von Daten-Tabellen konzentrieren.

Und weil es sich auf dieser Seite anbietet, geht es -  zwar nur am Rande - auch um die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Beschriftung von Grafiken.

Daten- oder Layout-Tabelle?

Die erste Hürde besteht darin herauszufinden, welche Tabellen zum Positionieren verwendet wurden und welche tatsächlich tabellarische Daten enthalten. Gäbe es nur Daten-Tabellen - was bei strikter Trennung von Inhalt und Layout der Fall wäre - würde ein Tastendruck genügen, um zur Ergebnistabelle zu gelangen!

Pixelgenau reicht nicht

Das weit größere Problem besteht aber darin, dass Daten-Tabellen oft nur nach rein optischen Kriterien gestaltet werden. Durch die Positionierung ergibt sich der Zusammenhang zwischen Beschriftung und Inhalt sozusagen automatisch.

Fällt jedoch die Visualisierung weg, ist dies für den Anwender eines assistiven Programms etwa so, als würden Sie das Tabellenraster entfernen und die Inhalte der einzelnen Zellen horizontal und vertikal aneinanderfügen, ohne auf deren Positionierung zu achten.

Nehmen wir als Beispiel einen Teil der Ergebnistabelle, und zwar die fünf Spalten von "Detail" bis "Dauer".

Screenshot: ÖBB-Fahrplan, Tabelle mit 5 Spalten

Die Spaltentrennung selbst ist mit meinen Programmen leicht zu erkennen und im folgenden Beispiel durch ein Semikolon symbolisiert. Bewegt man sich nun horizontal, so springt das Programm innerhalb der Zeile von Semikolon zu Semikolon, bewegt man sich vertikal, springt das Programm in derselben Spalte von Zeile zu Zeile und präsentiert den jeweiligen Inhalt der focussierten Zelle.

Um Platz zu sparen, ist Wien mit WW oder WF und Zwettl mit ZA oder ZNÖ abgekürzt:

Details ; Bahnhof/Haltestelle ; Datum ; Zeit ; Dauer 

[Nicht markiert.] ; WW  ZA ; 09.05.05  ; ab  an ; 07:30  09:40 ; 2:10 

[Markiert.] ; WF  ZA ; 09.05.05 ; ab  an ; 08:00  10:30 ; 2:30 

[Nicht markiert.] ; WF  ZNÖ ; 09.05.05 ; ab  an ; 09:03  11:29 ; 2:26 

In der optischen Darstellung stehen Start- und Zielbahnhof sowie Ankunft- und Abfahrtzeit mit den dazugehörigen Zeiten untereinander. Daraus ergibt sich die Zusammengehörigkeit quasi von selbst.

Assistive Programme hingegen lesen jeweils den gesamten Zelleninhalt "in einem Atemzug" vor - gleichgültig, ob sich darin nur ein Wort, ein Absatz oder eine ganze Textspalte mit Überschriften und Absätzen befindet. Der Anwender hat zwar die Möglichkeit, Informationen einzeln abzufragen, unterlässt das aber meist, weil dies umständlich ist und viel Zeit kostet. Auch kann man nicht a priori davon ausgehen, dass der Gestalter einer Tabelle nicht nur einen, sondern mehrere Inhalte in derselben Zelle einer Daten-Tabelle präsentiert.

Fehlende Tabellen-Überschriften

Ein weiteres Problem besteht darin, dass ich mich beispielsweise in Zeile 8, Spalte 13 befinde und nicht mehr weiß, womit die Spalte überschrieben ist. In diesem Fall muss ich möglicherweise nach oben navigieren, um die Beschriftung zu lesen und danach stehe ich vor dem Problem, in die richtige Zeile zurückzufinden.

Auf die Struktur kommt es an

All diese Probleme können assistive Programme ganz einfach lösen, wenn Tabellen mit den erforderlichen Kopfdaten und den Bezugsdaten zwischen Überschrift und Datenzelle versehen werden. - (Anmerkung 2).

Eine Anleitung, wie Daten-Tabellen zugänglich gestaltet werden, finden Sie bei Externer Link Einfach für alle, Tag 5.

Assistive Programme können auch verbundene Zellen erkennen, aber die Information, dass mehrere Spalten horizontal oder mehrere Zeilen vertikal verbunden sind, hat für das Verstehen einer tabellarischen Darstellung ohne Visualisierung nur bedingten Nutzen. Wenn jedoch der Bezug zwischen Überschrift und Zelleninhalt hergestellt werden kann, reicht dies in den meisten Fällen aus, um eine Tabelle auch gut verstehen zu können.

Da die gegenständlichen Ergebnistabellen weder gut strukturiert noch ausreichend beschriftet und zudem noch viele Spalten miteinander verbunden sind, darüber hinaus die Ergebnis- und die Detail-Tabelle keinen einheitlichen Aufbau haben, bedarf es einiger Zeit und Geduld, um das Ergebnis auszuwerten.

Dies ist insoferne bedauerlich, als leicht Abhilfe zu schaffen wäre.

Wenn auch die Gestaltung der Tabellen einige Wünsche offen lässt, so ist die Fahrplanabfrage grundsätzlich gut und einfach zu bedienen.

Besonders angenehm aufgefallen ist mir, dass mit einer einzigen Ausnahme am Beginn des Formulars alle grafischen Links und Schalter sehr verständlich beschriftet sind, so dass ich mir kein einziges Mal die Frage gestellt habe, wohin ein Link führt oder welche Aktion durch einen Schalter ausgelöst wird - das ist selten in unserer Weblandschaft und daher äußerst positiv aufgefallen.

Anmerkung

  1. Die erwähnte "Verdoppelung" der Links und auch der Start- und Zielbahnhöfe ist auf eine offenbar automatisierte Beschriftung von Grafiken zurückzuführen. In diesem Fall wäre es eleganter, die Beschriftung leer (alt=""), aber keinesfalls (!) wegzulassen. In den Tipps finden Sie zum Thema Beschriftung von Grafiken und Bildern detailliertere Informationen. - Zurück.
  2. Alle derzeit auf dem Markt befindlichen assistiven Programme verfügen über sehr ausgereifte Tabellenmodi, so dass das Lesen und Verstehen von Tabellen nach einer kurzen Einarbeitung jedem Anwender möglich ist - vorausgesetzt eben, dass die Tabelle gut strukturiert ist. - Zurück.

Mancher Leser hat sich vielleicht schon gefragt, warum ich für keine meiner Alltags-Aufgaben den Screen Reader Jaws verwendet habe: Jeder kennt dieses Programm und dessen Leistungsfähigkeit. Wenn Tests durchgeführt werden, so geschieht dies fast immer mit Jaws.

Einerseits war und ist es mir ein Anliegen zu zeigen, dass man auch mit den weniger bekannten Programmen gut surfen kann, andererseits besitze ich kein Jaws und arbeite daher mit einer 40-minütigen Demo-Version. Für so manche Alltagsgeschichte und vor allem für die genaue Analyse ist das aber zu kurz, und Neustarts inmitten einer Internetsitzung sind nicht nur lästig, sondern man läuft auch Gefahr, den früheren Zustand nicht mehr exakt rekonstruieren zu können.

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Geändert am: 01.06.2006 13:36