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Der Kampf ums eigene Geld

Stand: April 2005

Ich habe eine nette und kompetente Kundenbetreuerin und mich daher lange vor dem Online-Banking gedrückt - zu kompliziert, habe ich mir gedacht. Der Web-Auftritt der Deutschen Postbank, mit dem ich mich im Zuge der Verleihung des BIENE-Awards näher befasst habe, hat mich herausgefordert, es nochmals zu versuchen.

Aufgabe

Die heutige Aufgabe besteht aus zwei Teilen: Zum einen geht es darum sich einen Überblick über die einzelnen Bildschirmbereiche zu verschaffen, um wichtige Positionen bei späteren Besuchen rascher auffinden zu können, zum anderen wollen wir uns die Umsätze zu einem Konto anzeigen lassen und untersuchen, wie gut sich die Struktur mit einem Screen Reader erkennen lässt.

Ablauf

  • Verwendetes Programm: Nach umfangreichen Tests kein bestimmtes. - (Anmerkung 1),
  • Schwierigkeitsgrad: 4 - 5 von 5 (programmabhängig).

Den Einstiegsbildschirm von Externer Link www.ba-ca.com übergehen wir - er ändert sich ohnehin häufig. Damit mir meine Leser folgen können, benutze ich nicht den identifizierten Zugang, sondern das Demo-Konto, nach dessen Aufruf der Sicherheitshinweis erscheint. Nach dem Aufbau der Seite steht der Focus vor dem Eingabefeld für die Verfügernummer und den Pin-Code, gefolgt von zwei Schaltern, von denen der eine mit Test, der andere mit Demo beschriftet ist. Letzteren aktiviere ich. - (Anmerkung 2).

Nun sollte ich eingeloggt sein und daher lohnt sich ein "Rundgang" - und zwar über die gesamte Seite.

Die Bereiche der Seite

Screenshot www.ba-ca.com: Einstiegsschirm Gesamtansicht des Demokontos

Ich versuche mit meinem Programm dasselbe, was man bei Betrachtung einer Seite ganz automatisch tut: Ich versuche mir einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Nicht zum Vergnügen, sondern aus Vernunft, wie sich noch zeigen wird.

Es handelt sich um eine Seite mit Rahmen - neun Rahmen, um genau zu sein. Erfahrungsgemäß werden nicht alle benötigt; einige Rahmen dienen sicher der Positionierung.

Ich sehe mir daher alle Rahmen genauer an. Dabei gehe ich wie folgt vor: Ich lese die Titel der Rahmen und den Beginn des Inhalts. Jene Rahmen, in denen ich Inhalt für die gestellte Aufgabe vermute - im konkreten Fall die Suche nach Kontostand und Umsätzen - versuche ich mir zu merken. Die Rahmen plus Beschriftung und die von mir darin vermuteten Themen sind:

  • Rahmen 1: "Bank Austria Online Konto"
    Beinhaltet eine Linksammlung, die mit "Home" beginnt und mit "Impressum" endet, also eine Art Haupt- oder Service-Navigation.
  • Rahmen 2: "menuHead"
    hat keinen für mich lesbaren Inhalt.
  • Rahmen 3: "Online Konto SideMenu"
    Beginnt mit "Finanzen" und scheint die Navigation für die Geldgeschäfte zu sein.
    Merken!
  • Rahmen 4: "MetaBox"
    Die hier angebotenen Links beginnen mit "Hilfe". Dieser kurzen und sprechenden Link-Beschriftung geht allerdings ein Link mit einer unaussprechlichen Beschriftung voraus, beginnend mit [MetaBox?sessionid=...], gefolgt von einer bei solchen Adressen üblichen etwa 180 Zeichen umfassenden Zahlen- und Buchstabenkombination. - (Anmerkung 3).
  • Rahmen 5: "White"
    Wie schon die Beschriftung vermuten lässt, handelt es sich um einen Positionierungsrahmen.
  • Rahmen 6: "Online Konto SideMenu"
    Beinhaltet die Info "Ein Mitglied der HVB Group".
  • Rahmen 7: "Finanzstatus"
    Hier vermute ich die eigentlichen Informationen zu den Konten.
    Merken!
  • Rahmen 8: "Bank Austria Online Konto"
    Scheint leer zu sein.
  • Rahmen 9: "InfoBox"
    Beinhaltet wieder eine Reihe von Links, beginnend mit "Wartung"; der letzte Link lautet "Geschäftsbedingungen".

Mich interessieren nach diesem Rundgang vor allem Rahmen 3, in dem sich meine Auswahlmöglichkeiten befinden, und Rahmen 7, in dem vermutlich die dazugehörigen Daten angezeigt werden.

Wenn ich das im Gedächtnis behalte, erleichtert und beschleunigt das die Orientierung spürbar.

Kontostand und Umsätze

Screenshot www.ba-ca.com: Finanzstatus

Wenn schon Rahmen 7 die Beschriftung "Finanzstatus" trägt, empfiehlt es sich, dort nach bereits vorhandenen Informationen zu suchen. Ich reduziere daher meine Aufmerksamkeit auf diesen Bereich und entdecke auch bald die Begriffe
Disposaldo, Valutasaldo, Kontostand,
darunter den Link zu einer Kontonummer und dazugehörigem Namen Max Mustermann, gefolgt von drei Zahlenwerten.

Wie war doch die Reihenfolge? Ich muss nach oben navigieren, um sie mir nochmals einzuprägen. Warum dies erforderlich ist, darauf werde ich in der Analyse näher eingehen. Dieser umständliche Workaround ließ sich jedenfalls dank meines schlechten Gedächtnisses in keinem der getesteten Programme vermeiden.

(Zu Gunsten der folgenden Aufgabe vernachlässige ich die weiteren angezeigten Informationen zum Finanzstatus.)

Den Kontostand musste ich also erst gar nicht suchen; jetzt fehlen noch die Umsätze. Da die Kontonummer verlinkt ist, lohnt sich ein Klick darauf. Ich nehme gleich das erste Konto - denn es ist ja nur ein Test.

Nach dem Seitenaufbau hat sich die Beschriftung von Rahmen 7 geändert. Sie lautet jetzt: "GiroKontoInDetail". Am Beginn finden sich zwei Links für den Download (in den Formaten XML und CSV) sowie ein Link zum Drucken. Darunter entdecke ich einen Umsatz aus dem Jahre 1998, der, ebenso wie die Auftragsnummer, verlinkt ist. Leider kann ich auch hier nur mit viel Phantasie die Überschriften den Einträgen zuordnen. Mehr dazu in der Analyse.

Unterhalb des einsamen Umsatzes finde ich einen Schalter, mit dem ich mir Details zur Buchung anzeigen lassen kann, gefolgt von einem Formular, dessen Felder mit dem richtigen Eingabeformat versehen sind, was ich sehr hilfreich finde.

Das Formular (Auswahl: alle Kontoauszüge) korrekt auszufüllen und den Schalter "ANZEIGEN" zu betätigen, ist nicht schwierig, auch wenn das Ergebnis keine weiteren Umsätze zu Tage fördert. Ich kann zumindest an dem neuen Text "Alle Kontoauszüge, Eingänge, Ausgänge" erkennen, dass die Anfrage geklappt hat.

Analyse

Die Rahmen-Betrachtung

Ich analysiere keineswegs alle Webseiten - und schon gar nicht Seiten mit so vielen Rahmen - ähnlich detailliert wie in diesem Fall. Wenn man aber vor hat, das Angebot einer Seite regelmäßig zu nutzen, so ist es unerlässlich, sich irgendwann mit der Struktur zu beschäftigen. Letztlich zahlt sich der zeitliche Aufwand aus, weil man bei späteren Besuchen eine Menge Zeit sparen kann - es sei denn, der Anbieter baut häufig um.

Was am Bildschirm als eine Seite erscheint, präsentiert sich für meine Programme wie ein Puzzle mit neun Einzelteilen; es ist kein Luxus, sondern hilfreich zu wissen, welchen dieser Einzelteile ich für meine geplanten Aktionen benötigen werde.

Angesichts der Anzahl an Rahmen und der nur teilweise informativen Beschriftungen lohnt es sich jedenfalls, die beiden "herausgefilterten" Rahmen, deren Beschriftung und den Beginn des Inhalts zu notieren oder sich gut zu merken. Immerhin ist meine Hauptaufgabe nicht die optimale Orientierung in einem "Rahmen-Puzzle" - von dessen Vorhandensein der Betrachter des Bildschirms nicht einmal etwas merkt -, sondern ich soll meine Bankgeschäfte erfolgreich abwickeln.

Probleme mit Tabellen

Nach dem Einstieg in die Seite mit den Testkonten gibt es vor der Kontonummer mit dem Namen die drei Überschriften "Disposaldo", "Valutasaldo" und "Kontostand". Erst unterhalb von Kontonummer und Name finden sich die dazugehörigen Werte. Die optische Zusammengehörigkeit dürfte eindeutig sein, für meine Programme besteht aber keinerlei Zusammenhang.

Allerdings bin ich auch an der Tabelle mit den Umsätzen gescheitert. Da nur ein Umsatz vorhanden ist, macht das keine Probleme. Bei meinem eigenen Konto sieht das aber ganz anders aus.

Dass meine Programme keinen Zusammenhang zwischen der Beschriftungszeile
Datum Ausz.Nr. Buchungstext Ein/Ausg. EUR
und den zugeordneten Werten herstellen können, lässt sich relativ einfach erklären: Die Beschriftungen stehen nicht in derselben Tabelle wie die Werte, und daran dürfte jede noch so gute Technologie scheitern. Nur das menschliche Auge ist in der Lage, aufgrund der Positionierung - und nur dafür wurden hier die Tabellen verwendet - den Zusammenhang herzustellen.

Stünden die Kontodaten in einer für solche Fälle vorgesehenen Datentabelle mit ordnungsgemäßen Überschriften, so hätte keines meiner Programme ein Problem bei der Darstellung - und ich hätte kein Verständnisproblem.

Wie man es auch dreht und wendet, welches Programm ich auch immer wähle - es ist zeit- und nervenaufwändig mit dieser Anwendung klarzukommen. Da sich Beschriftungen häufig nicht mit Sicherheit korrekt zuordnen lassen, sind auch Irrtümer nicht auszuschließen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch lieber zu meiner Kundenbetreuerin gehen sollte, denn Geldgeschäfte sind nun einmal eine sensible Angelegenheit. Mir will aber nicht einleuchten, warum es nicht möglich sein sollte, hier ein wenig mehr Kundenkomfort zu bieten; immerhin gibt es ja reichlich Bestrebungen, die Kunden vom Schalter weg und hin zum Online-Banking zu führen.

Anmerkung

Das richtige Werkzeug

Sowohl die ältere als auch die neueste Version des Home Page Readers scheitern an dieser Seite; sie schieden daher im Vorfeld aus - genau wie Lynx, das ja kein Javascript beherrscht.

Zuerst hatte ich vor diese Aufgabe mit Window Eyes zu lösen, aber nach Aktivierung der Kontonummer musste ich erkennen, dass die Detailinformationen nicht angezeigt wurden. Nachdem ich Window Eyes geschlossen und Jaws aktiviert hatte, zeigte sich, dass der Seitenaufbau funktioniert hatte, denn jetzt wurden die Detailinformationen korrekt angezeigt.

Lediglich Jaws und der WebFormator ermöglichten mir den Zugriff auf alle (bisher getesteten) Informationen, wobei Jaws bei der Interpretation vor allem unzureichend beschrifteter Links die Nase vorn hatte, der WebFormator aber eine deutlich kompaktere und leichter interpretierbare Struktur auf die Braillezeile brachte, was gerade bei Zahlen schon von Vorteil sein kann. Zurück.

Ein Wort zum Einstieg

Die Reihenfolge von Verfügernummer, Pin und Schalter zum Absenden stellt sich für meine assistiven Programme etwas anders dar als für den Betrachter des Bildschirms. In meinen Programmen wird die Reihenfolge wie folgt angezeigt:

  1. Beschriftung "Verfüger",
  2. Schalter zum Absenden mit der Beschriftung "javascript:submit_do();",
  3. Eingabefeld für die Verfügernummer,
  4. Beschriftung "Pin" und
  5. Eingabefeld für den Pin-Code.

Da der Focus in das Eingabefeld der Verfügernummer positioniert wird, was sehr anwenderfreundlich ist, könnte es jedoch passieren, dass der im Quelltext davor befindliche Schalter zum Absenden meiner Aufmerksamkeit entgeht.

Da meine Anmerkung bezüglich des Zurücknavigierens auf einen Schalter bereits bei der Ersten Aufgabe Meine Freundin Google zu Missverständnissen geführt hat, bedarf dies offenbar einer näheren Erläuterung:

In vielen Formularen genügt es, an irgend einer Stelle die Eingabetaste zu betätigen, um eine Anfrage abzuschicken. Sowohl bei Google als auch im Anmeldeformular meiner Bank ist dies so.

Es hängt jedoch vom verwendeten assistiven Programm ab, ob ich diesen Komfort auch nutzen kann: Während die Screen Reader Window Eyes und Jaws im Formularmodus dies zulassen, funktioniert dies bei den Web Readern Home Page Reader und WebFormator nicht. Diesem Thema werde ich aber noch einen eigenen Beitrag widmen. Zurück.

Link-Beschriftungen

Die bei der "Rahmen-Betrachtung" erwähnten "unaussprechlichen" Links werden von Jaws lediglich als "Icon" vorgelesen, was sehr angenehm ist und zur besseren Übersichtlichkeit beiträgt.

Der WebFormator und Window Eyes zeigen die unschöne "Zeichenschlange". Bislang habe ich keine Möglichkeit gefunden dies abzustellen, da ein Ausblenden bei Link-Beschriftungen nicht möglich ist; und das ist auch richtig so. Zurück.

Fragen? Wenn ja, Schreiben Sie mir.

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Geändert am: 08.06.2006 22:09