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Gezielt navigieren

Stand: Februar 2005

Screen Reader und Web Reader haben einen erstaunlichen Umfang an nützlichen Befehlen - aber kaum jemand reizt sie wirklich aus. Das ist ein typisches Anwenderverhalten, das Sie sicher auch schon an sich selbst festgestellt haben. Die wichtigsten Befehle weiß man aber irgendwann - und diese wollen wir uns Schritt für Schritt erarbeiten.

Aufgabe

Ich habe eine Verständigung vom Postamt erhalten, dass ich einen eingeschriebenen Brief abholen soll. Der Brief liegt auf dem Postamt 1202, also nicht dem Hauptpostamt. Wie lange die wohl heute offen haben?

Bevor wir uns an die Aufgabe wagen, wiederholen wir die bereits bekannten Navigationsmöglichkeiten:

  • Mit den Pfeiltasten können wir uns durch die Seite bewegen.
  • Die Tabulator-Taste bringt uns von Link zu Link.
  • Mit der Zeichenkettensuche können wir "auf gut Glück" nach einem Begriff suchen, den wir auf der Seite vermuten (siehe: 1. Aufgabe).
  • Wir können uns aber auch von Überschrift zu Überschrift bewegen (siehe: 2. Aufgabe).

Ablauf

  • Verwendetes Programm: Window Eyes 4.5.
  • Schwierigkeitsgrad: 2 von 5

Eigentlich müsste die Seite Externer Link www.post.at eine Liste aller Postämter anbieten. Wie gut die Seite wohl bedienbar ist?

Screenshot: www.post.at

Die Suche nach Überschriften verläuft erfolglos. Also bewege ich mich von Link zu Link in der Hoffnung, auf einen Begriff wie "Postämter" oder "Filialen" zu treffen. Und tatsächlich brauche ich nicht lange zu suchen, bis ich auf "Postfilialen" stoße.

Ich drücke also nach der Ansage "Postfilialen" die Eingabe-Taste und die Seite baut sich neu auf.

Ich muss nach dem Postamt 1202 suchen und benötige dazu ein Formular für die Eingabe. Genau wie bei der Google-Suche (1. Aufgabe) nutze ich den Befehl, der mich zum Formular bringt. Das 1. Formular ist die allgemeine Suche, das 2. sieht die Eingabe von Postleitzahl oder Ort vor - also Postleitzahl eintragen und mit der Tabulator-Taste bis zur Schaltfläche "Suchen", um die Anfrage abzuschicken.

Nachdem sich die Seite neu aufgebaut hat, positioniert mich Window Eyes wieder auf die Schaltfläche "Suchen" - das tun nicht alle assistiven Programme. Ich wandere nun mit den Pfeiltasten nach unten und finde nach kurzer Zeit "1 Ergebnisse gefunden" sowie darunter den Hinweis, auf den Link mit der Postleitzahl zu klicken, den ich mit der Tabulator-Taste sofort erreiche und aktiviere.

Eine neue Seite erscheint und der Fokus steht wieder am Seitenbeginn. Jetzt möchte ich mit meinem Programm rasch zum Ergebnis springen - genau wie das Auge auch. Frei nach dem Motto: "Man wird doch wohl probieren dürfen", versuche ich es nochmals mit Überschriften - und diesmal habe ich Glück: Die 2. Überschrift informiert mich über die Adresse der gesuchten Postfiliale. Die Öffnungszeiten stehen noch nicht da, aber es gibt einen Link, der so heißt - und diesen betätige ich.

Screenshot: www.post.at

Danach stehe ich natürlich wieder am Seitenbeginn und könnte einen der bereits bekannten Befehle (Überschriften, Formular oder auch die Zeichenkettensuche) verwenden, aber es gibt noch eine Methode, die zielführend sein kann: Der Sprung zum nächsten zusammenhängenden Element, das länger als eine im Programm frei definierbare Zeichenanzahl ist. Ich habe 40 Zeichen eingestellt (Linkbeschriftungen haben selten mehr Zeichen) und springe daher zum 1. Element, das länger als 40 Zeichen ist - und das ist die Adresse. Dort finde ich auch die Öffnungszeiten.

Analyse

In dieser Aufgabe haben wir bewusst unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf die vielfältigen Navigationsbefehle des Screen Readers und weniger auf die Navigationsmöglichkeiten der Seite selbst gelegt. Dies um zu zeigen, wie man auf Webseiten mit den programmeigenen Befehlen navigieren kann. Lediglich der Sprung zu Überschriften ist nur dann erfolgreich, wenn diese auch als solche im Dokument gekennzeichnet worden sind. Alle anderen Befehle können auf allen Seiten eingesetzt werden.

Und was bedeutet dies für den Anwender?

  • Er muss eine Menge über das von ihm verwendete Programm wissen,
  • dies erfordert eine hohe Gedächtnisleistung,
  • die Konzentration wird vorrangig von der Suche nach dem geeigneten Navigationsbefehl absorbiert und daher von der Seite und deren Inhalt erheblich abgelenkt.

Assistive Programme bieten unterschiedliche Navigationsmechanismen an, die einen raschen Überblick über eine Webseite ermöglichen. Je mehr Strukturelemente jedoch der Webseiten-Ersteller auf der Seite vorsieht, desto besser lässt sich das Dokument "navigieren". Das zeigt sich deutlich bei Verwendung des Überschriften-Lesemodus, der nicht nutzbar wäre, wenn Überschriften nicht ausgezeichnet sind.

Anmerkung

Wie versprochen, ein paar Befehle:

JAWS (Job Access With Speech)
EINFG+F7 = Linkliste
V = Nächster besuchter Link
UMSCHALT+V = Voriger besuchter Link
N = Überspringt eine Ansammlung von Links und positioniert beim nächsten zusammenhängenden Text vordefinierter Länge
UMSCHALT+N = dieselbe Funktion rückwärts
Window Eyes
STRG+UMSCHALT+S = Seitenstatistik (Auflistung der Anzahl vorhandener Elemente wie Links, Überchriften etc.)
V = Nächster besuchter Link
UmSCHALT+V = Voriger besuchter Link
X = Nächstes unterschiedliches Element
UMSCHALT+X = dieselbe Funktion rückwärts
IBM Home Page Reader
ALT+L = Linklese-Modus
Mit den Pfeiltasten RECHTS und LINKS bewegt man sich linkweise vorwärts und rückwärts
Besuchte Links werden durch monotone Stimmlage gekennzeichnet, können jedoch nicht gezielt angesprungen werden
(Es gibt keinen Befehl, um Links zu überspringen)
WebFormator
STRG+L = Linkliste
Besuchte Links werden mittels einer Zeichenkette gekennzeichnet, können jedoch nicht gezielt angesprungen werden
ALT+NACH UNTEN = Zum nächsten zusammenhängenden Text (bestimmter, frei definierbarer Länge)
ALT+NACH OBEN = dieselbe Funktion rückwärts

Fragen? Wenn ja, Schreiben Sie mir.

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Geändert am: 08.06.2006 21:55