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Der einfache Zugang

Kostenlose Screen Reader sind im deutschsprachigen Raum eher wenig verbreitet. Vor kurzem bin ich durch eine Meldung auf Externer Linkwww.win-news.de auf NVDA (Non Visual Desktop Reader) gestoßen.

Ich habe so meine unerfreulichen Erfahrungen mit der Installation auch von Experten angepriesener Gratis-Software, kann es dann aber doch nicht lassen, es immer wieder zu versuchen. In diesem Fall hat sich meine Neugierde jedenfalls gelohnt.

Installation

NVDA gibt es in Externer Linkdrei Varianten:

  1. Als Zip-File, das man nur zu entpacken braucht, um eine startfähigen Screen Reader zu haben. Diese kann auf dem Stand-Pc mit Verknüpfung und Autostart ebenso benutzt werden wie als mobile Version auf USB oder CD-ROM mit Autostart. Es wird nichts in die Registry eingetragen und nichts instaliert.
  2. Als ausführbares Programm mit sprachgeführter Installationsroutine.
  3. als unkompilierter Source-Code (Phyton), um Programmierern die Weiterentwicklung und Anpassung an weitere Anwendungen zu ermöglichen.

Ich habe mich bei meinem Test für die 1. Variante entschieden, weil sie für mich den meisten Reiz hat.

Entpacken - starten - zuhören

Ich habe das Paket heruntergeladen, auf einen leeren USB-Stick entpackt und zuerst in der Dokumentation das User Guide Manual gelesen. Dieses steht derzeit nur in englischer Sprache zur Verfügung und es wird explizit darauf hingewiesen, dass es nicht alle Navigationsmöglichkeiten und Features beschreibt. Danach habe ich mir eine Liste der wichtigsten Befehle angelegt und die Programmdatei nvda.exe im Hauptverzeichnis meines Sticks gestartet.

Nach der aufsteigenden Tonfolge, die den erfolgreichen Start ankündigt, hat mich das System in englischer Sprache informiert, dass weitere Komponenten geladen werden, gefolgt von der Erfolgsmeldung des Programmstarts.

Nach Installation nutzt NVDA die englische Stimme von Externer LinkeSpeak, eine Sapi5-Sprache. Dieser Synthesizer ist ebenfalls kostenlos und im Vergleich zu anderen, jedoch kostenpflichtigen Sprach-Synthesizern zumindest in der deutschen Variante auch für geübte Ohren eher gewöhnungsbedürftig.

Erste Anpassungen

Nun habe ich mit Hilfe der vorher notierten Tastenkombinationen im Programmmenü 2 Einstellungen verändert:

  1. Wechseln auf eine deutsche Stimme und
  2. Umstellen der NVDA-Programmsprache auf Deutsch.

Der Fairness halber möchte ich an dieser Stelle ergänzen, dass ich bis hierher sozusagen als Sicherheitsnetz meinen Screen Reader Virgo 7.41 laufen habe lassen - präzise gesagt nur die Braillezeilenunterstützung desselben.

Nach diesen Einstellungen ist ein Neustart von NVDA erforderlich. Gleichzeitig habe ich ab nun auch auf mein "Sicherheitsnetz" verzichtet.

Erster Rundgang

Meine erste Schnuppertour habe ich in jenen Anwendungen unternommen, die laut Dokumentation unterstützt werden. Das sind einmal die Funktionen des Betriebssystems selbst, wie Desktop, Startmenü oder Systemeinstellungen, aber auch Texteditoren wie Notepad oder Wordpad und der Mail-Client Outlook Express. Auch Internet Explorer und Firefox werden erstaunlich gut unterstützt. Auch für Winword und Excel oder Skype sind Anpassungen vorhanden; diese habe ich jedoch noch nicht getestet.

Erster Surf-Trip

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich erwähnen, dass in Internet Explorer und Firefox die Navigation zu HTML-Elementen wie Überschriften, Absätze, Listen, Listeinträgen, Tabellen und Formularen ähnlich wie in bekannten kommerziellen Screen Readern funktioniert. Tabellen und Formulare habe ich mir für später aufgehoben, ebenso Flash, Ajax & Co.

Wie arbeitet NVDA?

NVDA ist in der Programmiersprache Phyton geschrieben, kommt in der aktuellen Version 0.5 ohne zusätzlichen Grafiktreiber aus und ist auf die Informationen durch MSAA (Microsoft Active Accessibility) und das DOM (Document Object Model angewiesen. Das schränkt einerseits den Leistungsumfang etwas ein. Da keine Zusatzkomponenten installiert werden, sind aber andererseits kaum Systemunverträglichkeiten, ein Blue Screen oder irreparable Folgen in der Konfiguration zu befürchten. Denn: Sollten Probleme auftreten, stellt ein Neustart des Systems den alten Zustand wieder her.

NVDA auf USB-Stick oder CD-ROM ist auch auf "fremden" Computern einsetzbar, weil die notwendige Sprachunterstützung in NVDA integriert, auf dem mobilen Datenträger abgelegt und somit verfügbar ist. Genauso gut kann man aber auch eine eventuell auf dem Fremd-PC verfügbare Sapi4- oder Sapi5-Sprache durch entsprechende Modifikation in den Einstellungen von NVDA nutzen.

Weitere Informationen

Auf der Webseite Externer Linkwww.nvda-project.org findet man neben dem Download unter dem Navigationspunkt Community auch eine Mailing-Liste (mit viel Traffic), Informationen über den Entwicklungsstand und natürlich die Möglichkeit, aktiv an der Weiterentwicklung mitzuarbeiten, zumal der unkompilierte Quellcode frei zugänglich ist.

Vorläufiges Resultat

Verglichen mit bisher getesteten kostenlosen Screen Readern oder Browsern unter Windows hat NVDA eindeutig einige Vorzüge:

  1. Die mobile Variante bedarf keinerlei Installation und ist sofort nutzbar und - im Gegensatz zu anderen mir bekannten Produkten - mit zwei Handgriffen auf Deutsch umzustellen.
  2. Die Desktop-Variante ist eine Standard-Installation mit Sprachunterstützung und erfordert keine besonderen Kenntnisse.
  3. Selbst bei Instabilität und Problemen kann auch von weniger versierten AnwenderInnen der ursprüngliche Zustand problemlos wieder hergestellt werden.

Um seriöse und umfassende Aussagen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit von NVDA machen zu können, reichen meine bisherigen Tests keineswegs aus. In jedem Fall ist der erste Eindruck hinsichtlich Leistungsumfang und vor allem Anwenderfreundlichkeit jedoch ein sehr guter. Es wird sich lohnen, die weitere Entwicklung genau im Auge zu behalten. Immerhin wird derzeit über eine Anpassung für Open Office diskutiert und auch eine Braille-Unterstützung ist im Gespräch.

Autor: Eva Papst
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