Ein paar "Hoppalas"
Immer wieder werde ich gefragt, was denn die häufigsten Barrieren im Web sind, und genauso oft muss ich eine präzise Antwort schuldig bleiben.
Am sprechendsten sind wohl Beispiele aus der Praxis. Hier sind stellvertretend drei - eingeschränkt auf die Wahrnehmungswelt mit Hilfe eines Screen Readers:
Verhinderte Kontaktaufnahme
Auf der Seite einer Organisation im Behindertenbereich möchte ich via Kontaktformular eine Frage stellen. Die Pflichtfelder sind rasch ausgefüllt, also aktiviere ich den einzigen (unbeschrifteten!) Schalter.
Danach mache ich mich auf die Suche nach einer aussagekräftigen Meldung, kann aber vorerst nichts finden. Da meine Daten im Formular noch eingetragen sind, gehe ich die Eingabefelder durch und entdecke folgende Meldung:
"Bitte tragen Sie in das Eingabefeld unten den Text der Grafik links ein". Damit ist der Versuch vorerst gescheitert, denn es ist niemand da, den ich fragen könnte, was in dem Bildchen steht.
Lösungsansatz
Ich lehne mich nicht gegen einen wirksamen Spam-Schutz durch CAPTCHAs auf, bekomme ich doch selbst genug Müll zugesandt.
Allerdings gibt es bereits sehr lange brauchbare Lösungen, ohne auf den guten Schutz verzichten zu müssen.
Hotmail bietet beispielsweise seit Jahren einen zusätzlichen Link: "Ich kann die Grafik nicht sehen". Aber auch die Möglichkeit kleiner Rechenoperationen ist ziemlich wirkungsvoll.
Dass hier gegen eine wichtige Basis-Richtlinie für Accessibility verstoßen wird, dürfte klar sein, denn es heißt "... ohne fremde Hilfe ...".
Welches Konto?
Ein weiteres Beispiel für eine Barriere der letzten Web-Ausflüge ist ein Spendenaufruf in einer tollen Grafik - ein echter Blickfang, wie mir versichert worden ist.
Bedauerlicherweise hat man aber vergessen, das in der Grafik angeführte Spendenkonto auch zumindest in den Alt-Text zu schreiben.
Da die Grafik wohl schön anzusehen, der Kontrast aber mäßig ist, wie mir gesagt worden ist, werde ich ziemlich sicher nicht die einzige sein, die hier nicht spenden kann.
Dass Spendenkonten, die nur grafisch vorhanden sind, von den Suchmaschinen schlechter gelistet werden, soll hier außer Acht bleiben. Das ist eher eine Hürde für denjenigen, der Spenden benötigt. Dass Grafiken in manchen Browsern schlecht oder nicht skalierbar sind, ist schon eher eine Barriere für bestimmte Besuchergruppen. Von einigen werden sie aber ohne Beschriftung gar nicht wahrgenommen. Bei einem Spendenkonto ist das noch verschmerzbar, bei einer Hotline aber schon sehr ärgerlich. Auch diesen Fall kenne ich übrigens aus der Praxis.
Lösungsansatz
Besser als eine Grafik für so wesentliche Informationen ist natürlich immer Text. Aber wenn es schon eine Grafik sein muss, dann bitte mit Beschriftung des vollen Textinhalts!
Links in Uniform
Letzte Woche bin ich auf der Seite eines Anbieters für Sportartikel auf satte 170 Links gestoßen. Das alleine ist ja nicht tragisch, kommt ja öfter vor. Aber 78 davon tragen dieselbe Beschriftung, nämlich "NaviMain".
Ich habe mir stichprobenartig nur bei fünf Links die Mühe gemacht, das Linkziel zu hinterfragen. Sie führen alle nirgendwo hin, nur zur aufgerufenen Seite, gefolgt von einer Raute. - Vielleicht ein wahres "Fireworks"?
Von den verbleibenden beschrifteten Links sind einige zwei-, andere dreifach oder noch öfter vorhanden.
Eigentlich wollte ich nur den Newsletter im HTML-Format abbestellen, weil dieser nichts weiter enthält als den Link auf besagte Seite, wo die Sonderangebote wirklich nicht leicht aufzustöbern sind.
Ich bin geständig: Ja, ich habe jemanden einen Mausklick ausführen lassen, um auf das Abmeldeformular zu kommen, weil ich entweder nicht die Fähigkeit oder die Nerven hatte, weiter danach zu suchen.
Irgendwie ist es, je nach Stimmung, erheiternd oder frustrierend, dass mir in Zeiten des boomenden Internets die schriftlich zugesandten Sonderangebote gemeinsam mit einem leistungsfähigen Scan-Programm rascheren und besseren Zugang zur Information bieten als die Webseite des Unternehmens.
Lösungsansatz
Bedauerlicherweise fällt mir dazu nicht mehr ein als: Zurück an den Start und komplett überarbeiten!
Autor: Eva Papst
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